Eigenbetrieb statt Cloud-Lock-in.
Open Source, EU-Infrastruktur, Audit-Trail — denn wer Datenhoheit ernst meint, hostet selbst — oder bei jemandem, der das Wort versteht. Wir migrieren KMU und Bundesinstitutionen weg von Microsoft 365 und Google Workspace, hin zu Nextcloud, Matomo & Co. Aus Köln, aus Europa.
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souveraenitaet / definition.md
Was ist digitale Souveränität?
Vier Säulen — und warum „Digitale Souveränität“ nicht alles-oder-nichts ist.
Digitale Souveränität ist die Fähigkeit, über die eigene digitale Infrastruktur autonom zu entscheiden — also wo Daten liegen, wer Zugriff hat, welche Plattform genutzt wird. Vier Säulen:
- Datenhoheit — wo liegen die Daten? Wer kann zugreifen? In welcher Rechtsordnung?
- Stack-Hoheit — wer kontrolliert die Plattform? Open Source vs. proprietär.
- Eigenbetrieb — wer betreibt? Self-Hosting, EU-Hoster, oder Hyperscaler-Cloud?
- Compliance — DSGVO Art. 28 (AVV), Schrems II, TOM-Liste — nachprüfbar dokumentiert.
Digitale Souveränität ist Skala, nicht Schalter. Vollständig erreicht man sie nur mit eigener Infrastruktur — aber jeder Schritt weg von US-Cloud-Diensten ist ein Gewinn an Kontrolle.
souveraenitaet / reifegrade.md
Vier Reifegrade.
Digitale Souveränität ist ein Weg, kein Schalter — auf welcher Stufe steht Eure Organisation?
DSGVO-Basics
AVV mit allen Anbietern, Datenschutz-Erklärung aktuell, TOM-Liste vorhanden, Cookie-Consent korrekt — also Pflicht für jede Organisation mit Kund:innen-Daten.
EU-Cloud
Wechsel von Hyperscalern (AWS, Azure, GCP) zu EU-Anbietern (Hetzner, IONOS, OVHcloud) — also Daten im EU-Rechtsraum, Schrems-II-Risiko gelöst.
Open-Source-Stack
Microsoft 365 → Nextcloud, Slack → Mattermost, Google Analytics → Matomo — damit kein Lock-in mehr, keine Preiserhöhungs-Spirale, volle Stack-Kontrolle.
Eigenbetrieb
Self-Hosting auf eigenen oder gemieteten Servern — sodass maximale Datenhoheit, Zugriffskontrolle, Audit-fähig. Daher Pflicht für hochsensible Daten — Anwalts-, Patient:innen-, Forschungs-Daten.
Die meisten Organisationen brauchen Stufe 2–3. Stufe 4 ist kein Selbstzweck, sondern Pflicht für bestimmte Branchen — und optional für andere.
souveraenitaet / warum-jetzt.md
Warum jetzt.
Drei Entwicklungen, die das Thema seit 2020 zur strategischen Frage machen.
1. Schrems II (Juli 2020). Der EuGH kippt das EU-US-Privacy-Shield. Datenexport in die USA per Standardvertragsklauseln (SCCs) ist nur mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen rechtssicher. Allerdings sind diese bei Hyperscaler-Diensten in der Praxis kaum umsetzbar. Deshalb ziehen Aufsichtsbehörden die Daumenschrauben an.
2. KI-Datenexport. Cloud-AI-Tools (ChatGPT, Copilot, Gemini-Integrationen) exportieren Geschäftsdaten in undurchsichtige Trainings-Pipelines. Vertragsentwürfe, interne Dokumente, Source-Code — alles, was Mitarbeiter:innen reinkopieren, landet damit im Modell-Training. Daher unsere Antwort: lokale LLMs und EU-betriebene KI-Dienste — siehe KI-Stack ohne US-Cloud.
3. EU-Cloud-Initiativen. Gaia-X, das Cloud-Souveränitäts-Siegel des BSI, EuroCloud — Politik und Industrie bauen aktiv an Alternativen. Wer früh umsteigt, ist eingerichtet, bevor der Druck steigt.
souveraenitaet / kennzahlen.md
Kennzahlen.
Was Eigenbetrieb für uns konkret bedeutet.
souveraenitaet / wer.md
Wer braucht welche Stufe?
Souveränitäts-Bedarf nach Branche und Kontext — nicht jede Organisation braucht das volle Programm.
| Organisation | Mindest-Stufe | Typischer Trigger |
|---|---|---|
| Verein, NGO | 1 + 2 (DSGVO + EU-Cloud) | Mitglieder-Daten, Datenschutz-Erklärung, Spender-Liste |
| KMU (B2B) | 2 + 3 (EU-Cloud + Open-Source) | Kund:innen verlangen DSGVO-Zertifizierung; Schrems-II-Audit |
| Öffentliche Verwaltung | 3 + 4 (EU-Stack + Eigenbetrieb möglich) | BSI-Vorgaben, Cloud-Souveränitätssiegel, BMI-Empfehlung |
| Gesundheit, Forschung, Anwaltskanzlei | 4 (vollständiger Eigenbetrieb) | Berufsgeheimnis, Patient:innen-Daten, Mandanten-Akten |
| Konzern | individuell — oft mehrere Stufen parallel | unterschiedlich kritische Bereiche, Audit-Druck, Compliance-Pflicht |
souveraenitaet / eu-stack.md
EU-Stack — die Komponenten.
Für jeden US-Standard gibt es eine EU- oder Open-Source-Alternative. Hier die wichtigsten.
| Funktion | US-Standard | EU-/Open-Source-Alternative |
|---|---|---|
| Office-Suite | Microsoft 365 | Nextcloud + OnlyOffice / Collabora |
| Chat & Collab | Slack, MS Teams | Mattermost, Rocket.Chat |
| Gmail Workspace | mailbox.org, posteo, Mailcow self-hosted | |
| Cloud-Storage | Dropbox, OneDrive | Nextcloud, Seafile |
| CRM | Salesforce, HubSpot | SuiteCRM, EspoCRM, Twenty |
| Analytics | Google Analytics | Matomo, Plausible |
| Video-Conferencing | Zoom, Google Meet | Jitsi, BigBlueButton |
| Cloud-Infrastruktur | AWS, Azure, GCP | Hetzner, IONOS, OVHcloud, Scaleway |
| Newsletter / Automation | Mailchimp, HubSpot | Mautic, Sendy, n8n |
souveraenitaet / ki.md
KI ohne US-Cloud.
Lokale und europäische Alternativen zu OpenAI, Anthropic und Google — inklusive RAG, Code-Assistance, Voice und Bild.
Cloud-KI-Tools (ChatGPT, Claude, Gemini, Copilot) exportieren Eingaben in Trainings- oder Inference-Pipelines außerhalb der EU. Für interne Wissens-Datenbanken, Vertragsanalysen oder Code-Reviews ist das deshalb ein Datenschutz-Showstopper. Hingegen schließen Open-Weight-Modelle und EU-betriebene LLM-APIs die Lücke.
| Funktion | US-Standard | EU-/Lokale-Alternative |
|---|---|---|
| Chat-LLM | ChatGPT, Claude, Gemini | Self-Hosted via Ollama / vLLM (Llama, Mistral, Qwen, Phi); Mistral La Plateforme (FR); Aleph Alpha (DE) |
| Code-Assistance | GitHub Copilot, Cursor | Continue.dev + lokales LLM; Tabby (self-hosted); Codeium-Self-Hosted |
| Embeddings (RAG) | OpenAI Embeddings + Pinecone | BGE / Nomic / E5 (open weights) + Qdrant oder Weaviate self-hosted |
| RAG / Document-Search | OpenAI Assistants, Perplexity Pro | LlamaIndex oder Haystack mit lokalem LLM + Vector-DB |
| Image-Generation | DALL-E, Midjourney | Stable Diffusion, FLUX (lokal oder bei EU-GPU-Provider wie Hetzner / Scaleway) |
| Voice-to-Text | Whisper API (OpenAI Cloud) | Whisper.cpp lokal, Vosk |
| Text-to-Voice | ElevenLabs | Piper, Coqui TTS |
| Vision / OCR | GPT-4o Vision, Google Vision | LLaVA, MiniCPM-V (open weights), Tesseract |
Konkrete Anwendungsfälle, die wir umsetzen:
- Interne Wissens-RAG — Eure Dokumente lokal indizieren — Confluence, Outline, PDF, Mail. Ein lokales LLM antwortet dann mit Quellen-Verweis. Keine Daten verlassen Eure Infrastruktur. Operativer Aufbau der Wissensbasis: siehe Digitalisierung.
- Code-Assistance ohne Telemetrie — Continue.dev oder Tabby mit selbst-gehostetem Code-LLM (DeepSeek-Coder, Qwen-Coder, StarCoder). Damit vergleichbare Qualität zu Copilot, ohne dass Code an US-Server geht.
- Vertragsanalyse / Document-QA — sensible Dokumente werden batch-verarbeitet; das LLM extrahiert strukturiert (Fristen, Klauseln, Pflichten). Setup mit LlamaIndex + Mistral lokal.
- Übersetzung & Lokalisierung — DeepL ist EU-Anbieter und gut. Außerdem für tiefere Souveränität: NLLB-200 (Meta open weights) lokal, oder Helsinki-NLP-Modelle für spezifische Sprachpaare.
Der Trade-off ist real: lokale Modelle sind in absoluten Benchmark-Spitzen oft 6–12 Monate hinter Frontier-Cloud-LLMs. Aber für die meisten produktiven Anwendungsfälle reicht das. Und: Datenschutz und Kostenkontrolle schlagen Benchmark-Punkte, sobald Geschäftsdaten im Spiel sind.
souveraenitaet / migration.md
Migrations-Pfad.
Vier Schritte vom Audit bis zum laufenden EU-Stack — Big-Bang-Migrationen scheitern, schrittweise klappen.
Audit
Was wird wirklich genutzt? Welche Workflows hängen wo dran? Welche Daten sind kritisch? Wir liefern eine ehrliche Inventur statt Wunschliste. Typisch 1–2 Wochen.
Pilot
Eine Abteilung wechselt — meist die mit größtem Schmerz (Datenschutz, Compliance, Kosten) — dabei mit festem Zeitplan und klaren Erfolgskriterien.
Migration
Stufenweise, mit klarer Roadmap: zuerst Daten umziehen, dann neue Tools live, schließlich alte Hyperscaler-Verträge abschalten. Parallel-Betrieb zur Risikominimierung. 3–12 Monate, je nach Tool-Anzahl und Komplexität.
Schulung
Workshops für Redaktion, Admins, Power-User — weil ohne Schulung die Migration verpufft. Tools sind anders, Workflows anders, Erwartungen müssen angepasst werden. Daher fortlaufend, nicht einmalig.
souveraenitaet / cases.md
Beispiele aus der Praxis.
Drei Migrations-Szenarien, wie wir sie regelmäßig sehen.
Verein wechselt zu Nextcloud
50-köpfige Mitglieder-Organisation: Migration von Google Workspace zu selbst-gehostetem Nextcloud-Stack. Datenexport, Schulung, paralleler Betrieb über 3 Monate, danach Abschaltung Google.
KMU steigt aus MS Teams aus
80 Mitarbeiter:innen, technologie-affines KMU: Wechsel von Microsoft Teams zu Mattermost, plus Nextcloud-Office statt SharePoint. Spar-Effekt: vierstellig pro Monat, plus volle Datenhoheit.
Bundesinstitution: Analytics
Bundesinstitution stellt Analytics von Google auf Matomo um — auf eigenen Servern in Frankfurt, Cookie-frei, Daten-anonymisiert. Dabei Audit-Trail dokumentiert, datenschutz-konform.
Kanzlei: Lokales LLM
Mittelständische Kanzlei nutzt selbst-gehostetes Mistral-LLM für Document-QA über Vertragsentwürfe und Mandanten-Akten — denn Daten verlassen das Firmen-Netz nicht, Anwaltsgeheimnis bleibt im Haus.
Die Beispiele sind generisch dargestellt — konkrete Cases auf Anfrage, NDA-konform.
souveraenitaet / checkliste.md
Compliance-Checkliste.
Zehn Fragen, die Eure DSGVO- und Souveränitäts-Realität abklopfen.
- Habt Ihr für alle eingesetzten Cloud-Tools eine AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag)?
- Sind die TOMs (technisch-organisatorische Maßnahmen) Eurer Drittfirmen dokumentiert und auf aktuellem Stand?
- Wisst Ihr, wo Eure Daten physisch liegen — nicht nur „in der Cloud“?
- Bei Drittland-Tools: gibt es zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen außer SCC (z. B. eigene Verschlüsselungs-Schlüssel)?
- Ist Eure Datenschutz-Erklärung synchron mit dem tatsächlichen Cloud-Stack — oder steht da noch „wir nutzen Google Analytics“, obwohl Ihr inzwischen Matomo nutzt?
- Habt Ihr einen Datenexport-Plan, falls ein Anbieter morgen den Vertrag kündigt?
- Ist Euer Cookie-Consent und Tracking-Stack DSGVO-konform — oder läuft Stalking via Google Analytics noch im Hintergrund?
- Sind Eure Mitarbeitenden geschult auf den Umgang mit personenbezogenen Daten (insbesondere bei KI-Tools)?
- Sind Datenpannen-Meldewege definiert und mindestens einmal geübt?
- Falls KI-Tools im Einsatz: weiß Ihr, ob Eingaben in Trainings-Pipelines landen können?
Bei mehr als drei „Nein“ — sprecht uns an. Dann machen wir den Audit, sortieren die Lücken und schlagen einen Migrations-Pfad vor.
souveraenitaet / faq.md
Häufige Fragen.
Digitale Souveränität und Digitalisierung — politisch wie technisch.
Was heißt digitale Souveränität konkret?
Welche EU-Alternativen gibt es zu US-Cloud-Diensten?
Was, wenn unser Team mit Microsoft 365 arbeitet?
Wie viel teurer ist Eigenbetrieb?
Sind Open-Source-Tools weniger sicher als kommerzielle?
Was passiert mit unseren Daten beim Wechsel?
Welche Branchen sind besonders betroffen?
Wie kompliziert ist Self-Hosting?
Können wir ChatGPT intern durch lokale KI ersetzen?
Sind lokale LLMs sicherer als Cloud-KI?
souveraenitaet / nachbar.md
Operativ konkret?
Digitale Souveränität ist die Strategie, während Digitalisierung mit Haltung die Umsetzung ist.
Wenn die strategische Frage geklärt ist — welche Tools wählt Ihr konkret aus, wie führt Ihr sie ein, wie schult Ihr Eure Teams? Das ist der operative Zwilling der Digitalen Souveränität: Digitalisierung mit Haltung — Tools wie n8n, Mautic, Outline, Plane plus konkrete Use-Cases und Cases. Begleitung bei Auswahl und Vendor-Audit gibt es bei uns als Trusted Advisor.
Bereit für den Ausstieg aus Cloud-Lock-in?
Erstes Gespräch ist kostenfrei. Dabei prüfen wir Euren Stack, bewerten Migrations-Aufwand und sagen ehrlich, wo der größte Hebel sitzt.
